11.03.19 – Zorge – Outingaktion

Liebe Genoss*Innen,

uns erreichte eine Nachricht, welche wir der „Öffentlichkeit“ nicht vorenthalten wollen.

Nicht mein Nachbar #notmyneighbour
Zorge – ein beschauliches Örtchen am Rande des Harzes. Ein stilles Örtchen, dass seit geraumer Zeit um eine Familie „reicher“ geworden ist. Dass es sich bei Familie Lindemann, die ihr neues Domizil in Walkenried OT Zorge (Landkreis Göttingen) bezogen haben, um keine „normale“ Familie handelt, ist wohl so ziemlich jede*m Nordhäuser*in bekannt. Familienvater Alexander Lindemann ist in Nordhausen ein altbekanntes Gesicht und galt über ein Jahrzehnt als Kopf der rechtsradikalen Szene der Südharzer Stadt. Aus diesem Grund entschieden sich einige antifaschistische Aktivisten aus Nordthüringen dazu, den Bewohner*innen des kleinen Harzer Ortes am vergangenen Wochenende über eine Plakat und Flugblattaktion einmal vor Augen zu führen, wer da in ihr Dorf gezogen ist. Doch wer genau ist dieser Alexander Lindemann?
Angefangen mit der NPD Nordhausen, der er nach eigenen Angaben nie angehörte, sondern lediglich mehrfach für sie zu verschiedenen Wahlen kandidierte und für diese im Kreistag Nordhausen saß[1], über die rechtsradikale Hooligan-Gruppierung NDH-City sowie ihre Nachfolgeorganisationen Aktionsgruppe Nordhausen und der rechtsradikalen Volksbewegung Nordthüringen, der Neonazi-Kleinst-Partei Der III. Weg oder aber auch der Europäischen Aktion, einer Gruppierung von Holocaustleugner*innen – überall war Alexander Lindemann eine zentrale Figur des selbsternannten „nationalistischen Widerstands“.
Lindemann war dabei schon früh in der neonazistischen Szene aktiv. In der Anfangszeit versuchte er vor allem in der Freiwilligen Feuerwehr seines Heimatortes Kleinfurra das Netzwerk der NPD zu vergrößern und neue Anhänger zu gewinnen. Recht schnell stieg Lindemann dabei innerhalb der rechtsradikalen Szene auf und kann ab 2007 als einer der Köpfe der rechtsradikalen und extrem gewalttätigen Hooligangruppe NDH-City bezeichnet werden. Lindemann, der sich anfangs zu den Vertretern der sogenannten „Autonomen Nationalisten“ zählt,  war zudem bis zu ihrer Auflösung Stützpunktleiter in Nordthüringen für die antisemitische und holocaustleugnende Europäische Aktion. [2] Ab 2015 trat Lindemann als Hauptredner der, vom Verfassungsschutz beobachteten und als „rechtsextrem“ eingestuften, Volksbewegung Nordthüringen auf und relativierte in einer Rede am 09. November 2015 die Reichspogromnacht. Lindemann äußert am Mikrofon wörtlich:“[…]hat jede Tat und jede Handlung einen Grund, eine Ursache, für das Tun und Handeln der Menschen. Jedoch wird in Deutschland tot geschwiegen, was die Ursache der Pogrome von 38 verursacht hat. Heute wird uns erzählt, dass die Deutschen ihre Handlungen aus lauter Langeweile und Hass getan hätten. Und das einfach ist Lüge, denn nur die Wahrheit macht frei. Darum erheben wir uns heute, um eben nicht im Schuldkult zu versinken und ewig gefangen zu bleiben“[3]. Doch nicht nur Alexander Lindemann, sondern auch seine Frau Anika, geborene Engelhardt und ursprünglich aus Niedersachswerfen, ist fester Bestandteil der rechten Szene. So ist sie nicht nur Teilnehmerin verschiedener rechtsradikaler Demonstrationen gewesen, sondern auch Ordnerin des Rechtsrock-Konzerts „In.Bewegung“ 2014 in Sondershausen. [4]