Stephan Ernst, Artgemeinschaft, Combat 18, AfD

Stephan Ernst, Artgemeinschaft, Combat 18, AfD
Am 02. Juni 2019 wurde Walter Lübcke auf seinem Grundstück in Wolfshagen ermordet. Der Täter: Stephan Ernst. Ernst ist dabei kein unbeschriebenes Blatt. Seit vielen Jahren ist er bundesweit aktives Mitglied in der Neonaziszene. Seine Kontakte reichen dabei auch in den Südharz, um genauer zu sein: Nach Ilfeld. Wie die „Welt“ unlängst veröffentlichte, war Ernst bis 2011 Mitglied der „Artgemeinschaft – Germanische Glaubens-Gemeinschaft wesensgemäßer Lebensgestaltung e.V“.[1] Dieser Verein, über den wir an anderer Stelle bereits ausführlicher berichteten [2], ist ein Sammelsurium an Menschen mit rassistischer und rechtsradikaler Einstellungen.
Die Artgemeinschaft ist dabei von besonderer Bedeutung hinsichtlich der Verbindungen und der Vernetzung in der neonazistischen Szene. Denn auch weitere bekannte Neonazisten unterhalten beste Verbindungen zum völkischen Verein. Darunter zählt auch Michael van Dolsberg (ehemals Michael See), der unter dem Decknamen „Tarif“ für den Verfassungsschutz als V-Mann arbeitete. Van Dolsperg gehörte in den 1990er Jahren zu einem der bedeutendsten Neonazis Thüringens. Auch sollte von Dolsperg Ende der 1990er Jahre das bereits untergetauchte NSU-Trio Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe verstecken und gehörte somit zum direkten NSU-Unterstützerumfeld. Ebenfalls enge Kontakte zum Verein pflegt Ralf Wohlleben, Mitverurteilter im NSU-Prozess, früheres NPD-Aushängeschild und Beschaffer der Mordwaffe. Wohlleben kam nach seiner Haftentlassung beim Vorsitzenden der Artgemeinschaft Jens Bauer, der selbst Mitglied der NPD war, unter und arbeitete mindestens zeitweise auch für diesen.[3] Es ist also wahrscheinlich, dass Ernst auch Kontakte ins direkte NSU-Umfeld und damit auch zum Thüringer Heimatschutz, einer weiteren rechtsterroristischen Gruppierung aus Thüringen, besaß. Besonders interessant ist dabei auch die Personalie Jirka Buder. Buder war in den 1990er Mitglied der später verbotenen rechtsradikalen Wiking-Jugend und auch für die rechtsradikalen Organisationen „Freiheitlich Deutsche Arbeiterpartei “ (FAP) und der „Nationalistischen Front“ (NF) tätig. 2003 nahm Buder auch an einem Treffen der Artgemeinschaft teil, an dem auch NSU-Unterstützer André Eminger beteiligt war.[4] Also zu einer Zeit, in der Ernst mutmaßlich noch Mitglied der Artgemeinschaft gewesen ist. Doch warum erzählen wir euch das? Ganz einfach: Derselbe Buder ist seit 2017 bei der AfD-Landtagsfraktion in Thüringen als Graphiker und Mediendesigner beschäftigt. Hier zieht sich damit auch ein roter Faden in den Verbindungen der rechtsterroristischen Szene zur Alternative für Deutschland in Thüringen, deren Fraktions- und Landesvorsitzender, und damit für Personalfragen hauptverantwortlich, Höcke zugleich auch der Vorsitzende des Kreisverbandes Nordthüringen – also auch für Nordhausen – ist.
Ebenso bekannt sind die Verbindungen Ernsts zu Combat 18 in Kassel und zum führenden Combat 18-Kopf Stanley Röske [5], doch auch Thüringer Neonazis sind bestens mit der hessischen Szene vernetzt. So fand erst Anfang diesen Jahres im sogenannten „Flieder Volkshaus“ in Eisenach eine Veranstaltung der Thüringer rechtsradikalen Szene statt, bei der auch hessische Combat 18 Mitglieder gesehen wurden. Man kann also davon ausgehen, dass auch über diesen Weg Ernst Kontakte in die Thüringer Szene, die über die bundesweit rechtsradikale Führungsfigur Thorsten Heise, zu dem AfD-Landes- und Fraktionsvorsitzender Björn Höcke eine längere freundschaftliche Beziehung unterhält, [6] bis nach Nordthüringen reicht, hatte. Auch hier zeichnen sich Verbindungen zwischen rechtsradikaler, rechtsterroristischer Szene, der Alternative für Deutschland sowie dem Rechtsterroristen Stephan Ernst ab.
Doch was bedeutet dies nun? Die immer wieder hervorgebrachte Einzeltäter-Theorie erweist sich damit als nicht haltbar. Angesichts dieser engen und umfangreichen Vernetzung von Ernst und den verschiedenen rechtsradikalen und rechtsterroristischen Organisationen bishin in den Thüringer Landtag, mit der AfD als parlamentarischen Arm, muss, genau wie beim NSU davon ausgegangen werden, dass auch Stephan Ernst ein breitangelegtes Unterstützer*innennetzwerk hatte, das eben bis in den Südharz reicht. Zieht man nun in Betracht, dass immer wieder „Feindeslisten“ auftauchen, auf denen unter anderem auch Walter Lübcke stand, und auch erst kürzlich bekannt wurde, dass das rechtsradikale Behördennetzwerk „Nordkreuz“, dass ebenfalls eine solche Liste führte, 200 Leichensäcke und Ätzkalk bestellen wollte [7], darf man davon ausgehen, dass die Causa Lübcke kein Einzelfall gewesen ist und weitere Morde in fortgeschrittener Planung stecken – angesichts der aufgezeigten Verstrickungen mit großer Wahrscheinlichkeit auch im Südharz. Es ist Zeit zu handeln, um nicht noch mehr Opfer beklagen zu müssen. Antifaschistische Arbeit darf nicht kriminalisiert werden! Antifaschistische Strukturen brauchen die Unterstützung aus der Gesellschaft und der Politik!