01.11.2019 – Bad Langensalza – Antifaschistischer antirassistischer Ratschlag

Seit 1991 findet der antifaschistische und antirassistische Ratschlag jährlich um den 9. November, dem Jahrestag der Reichspogromnacht, an wechselnden Orten in Thüringen statt. Ziel ist die Analyse aktueller Entwicklungen in Region und Gesellschaft, die Vernetzung von Akteur*innen trotz manchmal unterschiedlicher Positionen sowie die Suche nach gemeinsamen Handlungsperspektiven gegen Rechts.

Doch warum nach Bad Langensalza?

Seit Jahren versucht die rechte Szene, in und um Bad Langensalza Immobilien zu erwerben. So z.B. die NPD das „Bürohaus Europa“, was sie durch breiten Widerstand vor Ort nicht halten konnte. Im benachbarten Ballstädt zogen bekannte Neonazis in eine Immobilie ein und nutzten diese als Treffpunkt und Veranstaltungsort. Dies war Ausgangspunkt für einen gewalttätigen Übergriff auf die örtliche Kirmesgesellschaft. Kurze Zeit später wurde von den Neonazis Marco Z., Steffen M. und dem am Übergriff beteiligten Rocco B. eine Immobilie in Henningsleben, einem Ortsteil von Bad Langensalza, erworben und bezogen. Da Z. und M. zur führenden Neonaziszene in Thüringen gehören, ist davon auszugehen, dass die Immobilie als Treffpunkt und Proberaum diverser Neonazibands wie zum Beispiel „Sonderkommando Dirlewanger“ fungiert. Zur Gegenwehr zwingt jedoch nicht bloß der Kampf gegen die Nationalsozialist*innen der NPD, sondern ebenfalls das erstarkte Auftreten der selbsternannten Alternative für Deutschland (AfD). Sie ist in ihrem Kern rassistisch, antisemitisch und antifeministisch.

Doch auch in Bad Langensalza gibt es Widerstand gegen das Agieren der Neonazis. Um auf diese Zustände aufmerksam zu machen, hat sich in Bad Langensalza das Bündnis für Jugendkultur und Toleranz Unstrut-Hainich-Kreis gegründet. Zu Beginn der Bündnisarbeit hat ein antifaschistisches Selbstverständnis am Ort eher Ablehnung hervorgerufen. Durch Aufklärung und neue Kooperationen mit ortsansässigen Vereinen und Organisationen sowie verschiedenen Projekten und Aktionen, gelang es, die anfänglichen Vorurteile zum größten Teil abzubauen.

Breiten Widerstand organisieren

Neonazistische Organisationen und Strukturen gedeihen dort, wo es keinen öffentlichen Widerspruch gibt. Hier müssen Menschen innerhalb und außerhalb der Politik, Engagierte in Vereinen und Verbänden, jede*r selbst vor Ort einhaken, Aufklärungsarbeit und Sensibilisierung gegenüber rechtem Gedankengut betreiben und aktiv werden.

Ein breiter und unabhängiger Antifaschismus gestützt von handlungsfähigen Organisationen kann Transparenz und aktives Handeln von der Politik einfordern, kann rechte Lobbymacht kenntlich machen, kann Solidarität üben und die aktive Beteiligung am politischen Geschehen gewährleisten.

Auch den seit 2015 steigenden rechten Angriffen in Thüringen müssen wir etwas entgegensetzen.
Für bestimmte Menschengruppen ist das Leben in Thüringen nicht sicher. Legitimiert wird dies durch rassistisches, antisemitisches und antifeministisches Denken. Die Parolen und Argumentationen begegnen uns in Schule, Öffentlichkeit und Betrieb.

Der Ratschlag wird auf die aktuelle Situation aufmerksam machen und antifaschistisch und antirassistisch arbeitende Menschen in Bad Langensalza und Thüringen vernetzen und unterstützen. Deshalb kommt am 1. und 2. November 2019 nach Bad Langensalza!

Aktuelle Informationen und bald auch das Programm für den 1. und 2. November findet ihr unter:

http://www.ratschlag-thueringen.de