
Nordadler – Eine Nazi-Immobilie in Nordthüringen
Ende Juni 2020 – Bundesinnenminister Horst Seehofer verbietet eine Gruppierung, die wohl den meisten Menschen kein Begriff sein dürfte: Nordadler. Doch was steht hinter dieser Gruppe und warum sollten gerade Menschen im Landkreis Nordhausen beste Kenntnisse über diese Gruppe haben?

Nordadler wurde vermutlich 2017 gegründet und umfasst mehrere dutzend Mitglieder. Die Gruppierung will den Nationalsozialismus in Deutschland wieder salonfähig machen und als herrschendes System etablieren. Die Mitglieder bekennen sich klar zum Nationalsozialismus, Antisemitismus und sehen sich als eine Art NS-Elite an. In ihrem Leitkodex hält die Gruppe eine Vielzahl von neonazistischen Rassismen fest und träumt von der Renaissance des „deutschen“ Menschen.Den Behörden sind zwar konkrete Anschlagspläne nicht bekannt, jedoch gab die Gruppierung selbst an, eine „Bewegung“ zu sein, eine „verschworene und einheitliche Gemeinschaft, auf Gedeih und Verderben.“ Man wolle „Angriff auf alles Morsche“ sein und soll Deutschlands Feinde als seine persönlichen betrachten, sie aus tiefster Seele hassen, wenn man am Abzug steht, dann solle man diesen auch als erster benutzen und seinen Körper fit halten. Nach einem nationalsozialistischen Lesekreis hört sich das für uns jedenfalls nicht an.



Doch warum sollte das nun gerade für Nordhäuser*innen interessant sein, wo doch beispielsweise der führende Kopf der Bewegung aus Niedersachsen stammt und dort ansässig ist? Ganz einfach: Die Gruppe besitzt ein Objekt in Mackenrode direkt an der ehemaligen Bundesstraße liegend, unweit des Mackenröder Kindergartens. Dort, in der Hauptstraße 46, liegt das Anwesen mit großem Hof und Garten sowie mehrgeschössigem Haupthaus. Bereits 2018 hatte dort eine Razzia stattgefunden. Nun ließe sich vermuten, dies wäre auch am 23. Juni 2020 im Zuge des Verbots der Gruppierung der Fall gewesen – doch das Objekt, welches genügend Raum für nationalsozialistische Schulungen, völkische Treffen oder ein Leben in Selbstversorgung bietet, wurde nicht untersucht. Man ließ verlauten, dass das Objekt seit 2018 kaum noch genutzt werden würde, dort seit Monaten leer steht und in sich zerfalle. Betrachtet man das Haupthaus von der Hauptstraße aus, könnte man tatsächlich zu dem Schluss kommen, es sei unbewohnt. Wirft man jedoch auch nur einen kurzen Blick in den Garten muss man diese Version der Behörden schon stark anzweifeln: ein gemähter Rasen, ein gepflegter Garten, indem verschiedene Gemüsesorten angebaut sind, laufende Bauarbeiten an einem kleineren eingeschössigen Gebäude (einem Schuppen oder Gartenhaus ähnlich) im Garten. Auch, so kann man leicht entdecken, findet sich immer wieder ein Auto auf dem Hof wieder inklusive Anhänger sowie unzählige Fahrräder, die allesamt nicht den Eindruck machten, monatelang dem Wetter ausgesetzt worden zu sein. Der wesentlichste Hinweis darauf jedoch, dass das Gebäude samt Gelände noch in Benutzung ist, dürfte wohl die Tatsache sein, dass dort nach wie vor mehrere unterschiedliche Personen ein- und ausgehen und offensichtlich mindestens Arbeiten im Garten erledigen. Ein Objekt, welches monatelang stillstehen sollte, sieht für uns auch anders aus.




Wir fragen uns daher, was die Behörden dazu veranlasst hat, zu einer solch fatalen Fehleinschätzung zu kommen und fragen uns natürlich auch, welche Möglichkeiten der Gruppierung Nordadler damit gegeben worden, belastendes Material zu entsorgen. Anhand dieser Vorkommnisse zeigt sich einmal mehr, dass man sich beim Kampf gegen Rechtsradikalismus, Rechtsterrorismus, Antisemitismus und Rassismus nicht auf staatliche Behörden verlassen kann, da diese im besten Fall Symbolpolitik betreiben.
Antifaschismus bleibt Handarbeit – auch und vor allem im ländlichen Raum! Es gibt kein ruhiges Hinterland!